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Tarot: Herkunft, Aufbau und Anwendung für Einsteiger

tarot

Wer sich mit Selbstreflexion, Intuition oder spiritueller Praxis beschäftigt, stößt früher oder später auf ein Werkzeug, das seit Jahrhunderten Menschen auf ihrem inneren Weg begleitet: Tarot. Anders als viele denken, braucht es dafür keine besondere Gabe oder jahrelange Ausbildung. Man nimmt das Deck in die Hand, stellt eine Frage, zieht eine Karte – und schon beginnt ein Prozess der Reflexion, der oft mehr über einen selbst offenbart, als man erwartet hätte.

In diesem Artikel erfährst du, woher Tarotkarten stammen, wie ein Deck aufgebaut ist und wie du es in deiner täglichen Praxis einsetzen kannst.

Ein kurzer Blick in die Geschichte des Tarot

Tarot ist älter, als viele annehmen. Die ersten Tarotkarten entstanden im 15. Jahrhundert in Norditalien, wo sie ursprünglich als reines Kartenspiel für den Adel gedacht waren, ähnlich einem Vorläufer moderner Kartenspiele. Erst im 18. Jahrhundert begannen Menschen in Frankreich, den Karten symbolische und mystische Bedeutungen zuzuschreiben und sie für Wahrsagerei und Selbstreflexion zu nutzen.

Im 20. Jahrhundert prägte vor allem das Rider-Waite-Tarot (1909 veröffentlicht) das heutige Bild von Tarot maßgeblich, da es als erstes Deck jede einzelne Karte, auch die der Kleinen Arkana, mit einem eigenen, erzählerischen Bild versah. Viele der heute gängigen Decks bauen bis heute auf dieser Bildsprache auf.

Was ist ein Tarotdeck überhaupt?

Ein Tarotdeck ist ein Kartenspiel, das traditionell aus 78 Karten besteht und in zwei große Gruppen unterteilt ist: die 22 Karten der Großen Arkana und die 56 Karten der Kleinen Arkana. Jede Karte trägt ein eigenes Symbolbild, das für bestimmte Lebensthemen, Energien oder Entwicklungsstufen steht.

Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Kartenspiel geht es beim Tarot nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern um Reflexion. Die Bilder wirken wie ein Spiegel: Sie regen dazu an, über eine Situation aus einem neuen Blickwinkel nachzudenken, statt eine feste Antwort vorzugeben.

Aufbau eines Tarot-Decks: Große und Kleine Arkana

Die Große Arkana umfasst 22 Karten, von Der Narr bis Die Welt. Sie stehen für die großen Themen und Wendepunkte im Leben – Wandel, Liebe, Verlust, Wachstum. Karten wie Der Tod, Der Turm oder Das Rad des Schicksals zählen zu den bekanntesten und werden oft mit tiefgreifenden Lebensphasen in Verbindung gebracht. Wichtig zu wissen: Der Tod steht in der Tarot-Symbolik in der Regel nicht für einen tatsächlichen Todesfall, sondern für Wandel, Loslassen und einen Neuanfang – also eher für eine Wiedergeburt oder den Übergang von einem Lebensabschnitt in den nächsten.

Die Kleine Arkana besteht aus 56 Karten, aufgeteilt in vier Farben (auch Suits genannt):

  • Stäbe – Energie, Kreativität, Antrieb
  • Kelche – Gefühle, Beziehungen, Intuition
  • Schwerter – Gedanken, Herausforderungen, Klarheit
  • Münzen – Materielles, Beruf, Stabilität

Jede Farbe besteht aus zehn nummerierten Karten sowie vier Hofkarten (Bube, Ritter, Königin, König), die feinere Nuancen einer Lebenssituation widerspiegeln.

Bekannte Kartendecks und ihre Symbolik

tarot raider waite smith
tarot raider waite smith

Die bis heute bekannteste Version ist das Rider-Waite-Tarot aus dem frühen 20. Jahrhundert, dessen klare, bildhafte Symbolik viele spätere Decks geprägt hat. Neben klassischen Interpretationen gibt es heute unzählige künstlerisch gestaltete Varianten, die dieselbe Struktur nutzen, aber eigene Bildsprachen, Farbwelten und kulturelle Einflüsse einbringen. Für welches Deck man sich entscheidet, ist am Ende eine sehr persönliche Wahl: Manche Menschen fühlen sich sofort von einem bestimmten Kartenbild angesprochen, andere probieren mehrere Decks aus, bis eines wirklich zu ihrer Intuition passt.

Das passende Deck für den Einstieg finden

Bei der großen Auswahl an Tarotdecks fällt die Entscheidung für das erste eigene Deck nicht immer leicht. Ein paar Punkte helfen bei der Orientierung:

  • Bildsprache: Wähle ein Deck, dessen Bilder dich intuitiv ansprechen. Wenn ein Kartenbild ein Gefühl in dir auslöst, ist das oft ein gutes Zeichen, dass du gut mit diesem Deck arbeiten wirst.
  • Klassisch vs. modern: Rider-Waite-basierte Decks eignen sich gut für den Einstieg, da viele Bücher und Online-Ressourcen sich auf diese Symbolik beziehen. Modernere, künstlerisch freiere Decks sprechen dagegen oft stärker die eigene Intuition an, ohne feste Regeln vorzugeben.
  • Begleitheft: Achte darauf, dass ein Guidebook oder Begleitheft mit Kartenbedeutungen dabei ist – das nimmt am Anfang viel Druck heraus.

Es gibt keine „beste“ Wahl – am Ende zählt, dass du gerne zu deinem Deck greifst und eine persönliche Verbindung dazu aufbaust.

Anwendung: Wie du Tarot nutzen kannst

Tarot lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise in den Alltag integrieren:

  • Tageskarte: Eine einzelne Karte am Morgen ziehen, um ein Thema oder eine Energie für den Tag zu reflektieren
  • Legesysteme: Mehrere Karten in einer festgelegten Anordnung ziehen, etwa die klassische Drei-Karten-Legung. Dabei steht die erste Karte meist für die Vergangenheit oder den Ursprung einer Situation, die zweite für die Gegenwart und die aktuelle Lage, und die dritte für eine mögliche Entwicklung oder Zukunft. Wer tiefer einsteigen möchte, findet in Büchern und Online-Ressourcen auch komplexere Legesysteme wie das Keltische Kreuz mit zehn Karten.
  • Journaling: Eine gezogene Karte als Ausgangspunkt für freies Schreiben nutzen
  • Meditation: Ein Kartenbild betrachten und die eigenen Assoziationen dazu beobachten
  • Ritual und Zeremonie: Tarot als festen Bestandteil in Mondritualen oder anderen spirituellen Praktiken einbinden

Wichtig dabei: Es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“. Tarot ist kein Orakel, das eine feste Zukunft vorhersagt, sondern ein Werkzeug, das die eigene Intuition anregt und beim Nachdenken über aktuelle Fragen unterstützt.

Gerade am Anfang muss man sich außerdem keine Sorgen machen, sich alle 78 Bedeutungen merken zu müssen: Die meisten Tarotdecks werden mit einem Begleitheft geliefert, in dem die Bedeutung jeder einzelnen Karte nachgeschlagen werden kann. So kannst du direkt loslegen und dir die Bedeutungen nach und nach aneignen, statt sie vorher auswendig zu lernen.

Was bedeutet eine umgekehrte Karte?

Beim Mischen landet eine Karte manchmal auf dem Kopf, sodass sie umgekehrt gezogen wird. Viele Anfänger:innen sind zunächst unsicher, was das bedeutet. In den meisten Deutungssystemen wird eine umgekehrte Karte nicht als „negatives Gegenteil“ der aufrechten Bedeutung gelesen, sondern eher als:

  • eine blockierte, verzögerte oder nach innen gerichtete Version derselben Energie
  • ein Hinweis darauf, ein Thema noch einmal genauer zu betrachten
  • eine abgeschwächte oder überschattete Form der ursprünglichen Bedeutung

Wer am Anfang steht, kann sich das Leben auch bewusst leichter machen: Es ist völlig legitim, zunächst nur mit aufrechten Bedeutungen zu arbeiten und Umkehrungen erst später in die eigene Praxis einzubauen, sobald man sich mit den Grundbedeutungen der Karten sicherer fühlt.

Pflege deines Tarotdecks

Damit dein Tarotdeck lange erhalten bleibt und sich gut anfühlt, helfen ein paar einfache Grundsätze:

  1. Karten nach Gebrauch wieder ordentlich stapeln und an einem festen Ort aufbewahren
  2. Vor direkter Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit schützen, damit Farben und Papier nicht leiden
  3. Eine Aufbewahrungsbox oder ein Legetuch verwenden, um die Karten vor Abnutzung zu schützen und einen bewussten Rahmen für die Praxis zu schaffen
  4. Das Deck regelmäßig nutzen – häufiger Gebrauch macht viele Kartenleger:innen ohnehin vertrauter mit den einzelnen Symbolen

Manche Menschen reinigen ihr Deck zusätzlich energetisch, zum Beispiel mit dem Rauch von Räucherstäbchen, oder legen es zum Aufladen auf einen Kristall. Das ist jedoch reine Geschmackssache und keine Notwendigkeit – ob und wie du dein Deck energetisch pflegst, bleibt ganz dir überlassen.

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Häufige Fragen zu Tarotkarten

Wie viele Karten hat ein Tarotdeck? Ein klassisches Tarotdeck besteht aus 78 Karten: 22 Karten der Großen Arkana und 56 Karten der Kleinen Arkana.

Was ist der Unterschied zwischen Großer und Kleiner Arkana? Die Große Arkana steht für große Lebensthemen und Wendepunkte, während die Kleine Arkana in vier Farben (Stäbe, Kelche, Schwerter, Münzen) feinere Alltagssituationen abbildet.

Muss man an Tarot glauben, damit es funktioniert? Nein. Viele nutzen Tarot einfach als Reflexionswerkzeug, ähnlich wie ein Journal, um über eine Situation aus einem neuen Blickwinkel nachzudenken.

Ist Tarot für Anfänger geeignet? Ja. Eine einfache Tageskarte ist ein guter Einstieg, um sich Schritt für Schritt mit den Symbolen und der eigenen Intuition vertraut zu machen.

Kann ich mir selbst die Karten legen? Ja, viele Menschen nutzen Tarot ausschließlich für sich selbst. Wichtig ist dabei, sich beim Deuten genug Ruhe zu geben und ehrlich mit den eigenen Assoziationen zu den Kartenbildern zu sein.

Wie oft sollte ich eine Legung machen? Das ist individuell verschieden. Manche ziehen täglich eine Karte, andere greifen nur bei konkreten Fragen oder besonderen Anlässen zum Deck. Es gibt keine feste Regel – wichtig ist, dass die Praxis für dich stimmig bleibt.

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